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Vom Loslassen und mit dem Flow gehen

Yogalehrerin im Rapsfeld, Loslassen, Selbstständigkeit

2020 war ein aufregendes Jahr für uns alle, auch für mich persönlich. Gerade Anfang des Jahres habe ich noch einen Blogartikel über meine 1-jährige Selbstständigkeit geschrieben, was ich daraus gelernt habe, und warum es sich für mich weiterhin wie der richtige Weg anfühlt. Mit Corona kam dann vieles anders als gedacht.

Foller Fokus auf Yoga

Mein Einkommen verdiene ich großteils als Freiberuflerin im Marketing, in der Vergangenheit war Yoga eigentlich nur ein Nebenberuf für mich. Als ich nach meiner Reise auf Bali wieder nach Hause gekommen bin, hat sich die berufliche Lage im Marketing aber grundlegend verändert. Denn eine Pandemie und weltweite (wirtschaftliche) Unsicherheit ist nicht unbedingt die Zeit, in der viele Unternehmen groß in Marketing investieren. Ausgenommen natürlich die paar großen Gewinner dieser besonderen Zeit.

Eine gewollte Arbeitslosigkeit, also ein Sabbatical, ist eine Sache. Von einen Tag auf den anderen kaum mehr Angebote, Projekte und Kunden haben, eine andere. So richtig genießen konnte ich die neugewonnene Freizeit nicht. Was habe ich also gemacht? Mich auf Yoga konzentriert. Denn mit Home Office und wenig Zeit draußen war plötzlich ein großer Bedarf an Livestream Yoga und mich haben einige Nachrichten erreicht, ob ich nicht auch online Yoga unterrichten wolle. Von einem Nebenberuf hat sich Yoga also ungeplant schnell zu einem Hauptberuf entwickelt. Und so schlimm ist der Gedanke als Vollzeit als Yogalehrerin zu arbeiten ja erstmal nicht, immerhin ist es eine meiner großen Leidenschaften.

Wie gewonnen, so zerronnen

Über die Wochen flachte der große Andrang auf online Yoga langsam ab. Das Wetter wurde schöner und auch die Corona-Maßnahmen lockerer. Im Marketing tat sich bei mir allerdings weiterhin nicht viel. Umso mehr Energie steckte ich deshalb in mein online Yoga-Angebot. Mit Yoga als einzigem Standbein nahm ich auch vermehrt den Druck auf einer Sache wahr, die mir sonst so viel Freude bereitet. Warum man auch als Yogalehrerin nicht gefeit ist vor einem Burn-out, ist mir jetzt klar. Entmutigend sind die Momente, in denen man tolle Stunden vorbereitet hat, aber auf der Matte keiner auftaucht. Außerhalb von Klassen verging mir zunehmend die Lust auf die eigene Praxis, war das Yoga mittlerweile mit dem leidigen Thema des Geldverdienens verbunden. Ich las zwar weiterhin viele Bücher über Yoga – aber hauptsächlich zum Unterrichten.  

Umso höher der Druck war, umso weniger Leute kamen allerdings auch. Kein Wunder, denn natürlich transportierte sich meine Energie auch übers Internet. In der Vergangenheit habe ich immer aus Freude und ohne finanziellen Druck unterrichtet, also einen Nebenberuf aus Leidenschaft gehabt. Plötzlich war es mir aber wichtig, mehr als 5 Schüler in der Klasse zu haben. Denn davon hing ja auch ab, ob ich am Monatsende meine Miete zahlen kann. Ganz ehrlich, Existenzängste sind kein schönes Gefühl, und meine waren ehrlicherweise noch nicht mal richtig ernst zu nehmen, weil ich ein sehr gutes Sicherheitsnetz und auch andere Optionen zum Arbeiten habe. Trotzdem wollte ich noch nicht aufgeben und bewegte ich mich immer tiefer in einen Teufelskreis. Mittlerweile war die Vorstellung, doch Vollzeit als Yogalehrerin arbeiten zu können, eben zu schön, um sie so schnell wieder loszulassen.

In die eigene Falle getappt

Ja, da predigt man in den Stunden etwas von aparigraha – dem yogischen Prinzip des nicht Anhaftens – merkt es aber selbst in der Realität nicht. Auch als Yogalehrerin ist man eben nur ein Mensch und tappt manchmal in die eigenen Fallen. Gerade gestern habe ich auf Instagram über die Überidentifikation mit dem Beruf gesprochen. Obwohl ich dieses Phänomen oft in der Leistungsgesellschaft sehe, entgeht man dem natürlich auch als Yogalehrerin nicht. Womöglich definiere ich mich auch gerade deshalb gerne darüber, weil Yoga unterrichten mir normalerweise ja Freude bereitet und ich einen höheren Sinn darin sehe. Umso schwieriger war der Schritt, mir einzugestehen, dass es einfach gerade nicht passt. Dass der Energie-Ausgleich nicht da ist, ich zunehmend unglücklicher mit der Situation bin. Dass das viele Geben mich immer leerer macht und der Druck mich immer weiter blockiert, nicht nur auf der Matte, sondern im ganzen Leben.

Druck als Kreativitätskiller

Auch im Marketing gibt es mal stressige Phasen und Druck, und obwohl ich meine Aufgaben im Marketing eher kreativ einordnen würde, gelingt es mir da weiterhin zu „funktionieren“. Beim Yoga allerdings merkte ich, dass der Druck meine Kreativität und meine Freude auf der Matte wahnsinnig trübte. Ich bin allerdings ein Mensch, der über Kreativität entspannt und regeneriert. Beim Singen, Tanzen, Malen, Yogieren komme ich in den Flow-Zustand und finde neue Inspiration und Motivation.

Zur selben Zeit habe ich auch das Buch „Big Magic“ von Elizabeth Gilbert gelesen. Ein Buch, das ich sehr empfehlen kann, vor allem wenn du Kreativität als Teil der Schöpferkraft in deinem Leben siehst. Auch sie beschreibt im Buch immer wieder, dass Druck ein absoluter Kreativitätskiller ist. Genau so hat es sich auch für mich angefühlt. Der Druck hat sich von der Matte in mein ganzes Leben transportiert. Trotzdem habe ich am Yogalehrerinnen-Dasein festgehalten und versucht, etwas zu erzwingen. Und als Yogalehrerin sollte ich es selbst am besten wissen: Erzwingen funktioniert eigentlich nie, weder bei einer Asana auf der Matte, noch im Leben.

Loslassen statt Festhalten

Nach und nach kam mir diese Einsicht, und so habe ich meinen Unterricht eingestellt, sozusagen in die Sommerpause geschickt. Und soll ich dir was sagen? Gut war’s! Gleichzeitig ist wieder Wind in mein zweites Standbein im Marketing gekommen. Ein paar Wochen später hat auch das Unterrichten wieder von ganz alleine Einzug in mein Leben gefunden. Wieder mal habe ich gelernt, dass die Sachen eh von alleine wieder kommen, wenn man nicht dran festhält. Eigentlich etwas, das ich so schon mehrfach im Leben erfahren habe, trotzdem schmerzt der Loslassprozess immer wieder. Jedes Mal braucht es etwas, bis ich von Erwartungen, Ansprüchen und Vorstellungen ablasse.

Mittlerweile merke ich, dass die Pause gutgetan hat und jetzt wieder ganz viel Leichtigkeit, Motivation und Inspiration gekommen ist. Eben genau, was ich davor vermisst habe. Paradox, oder? Ich bin mir ganz sicher, dass sich diese Motivation sich bald wieder in Yoga-Projekten manifestiert. Diesmal achte ich aber von vorneherein darauf, nichts zu erzwingen und alles natürlich geschehen so lassen. Was sein soll, wird passieren, der Rest nicht, und das auch aus bestimmtem Grund.

Deine

Schriftzug_Anna_herzensmensch

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