Eine Anleitung zur Angstüberwindung (Gastbeitrag)

Eine Anleitung zur Angstüberwindung (Gastbeitrag)

Hast du Angst vor einer bestimmten Sache? Davor, einen Vortrag zu halten? Vor Spinnen? Vor dem Telefonieren? Vor sozialen Interaktionen? Es gibt so viele verschiedene Ängste in unserer Gesellschaft. Da die Ängste uns in unserem Leben stark einschränken können, wollen wir sie unbedingt loswerden. Warum dieser Gedanke nicht unbedingt hilfreich ist – und wie du deine Ängste dennoch überwinden kannst – erfährst du in diesem Beitrag.

Du bist nicht deine Angst

Mache dir zunächst bewusst, dass die Angst nicht das ist, was dich ausmacht. Jeder Mensch (und sogar die meisten anderen Lebewesen) erlebt Angst. Manche mehr, manche weniger. Angst ist das Normalste der Welt. Die Stressreaktion hilft dir, in Gefahrensituationen bestmöglich vorzugehen, um dein Überleben zu sichern. Du fühlst dich „bereit zum Kampf“ oder „bereit zur Flucht“.

Fühl dich nicht beleidigt, aber: Du bist nichts Besonderes, weil du Angst hast. Hör daher auf, dich über deine Angst zu definieren. Es gibt so viele andere Dinge, die dich ausmachen.

Akzeptiere deine Angst

Wenn du festgestellt hast, dass Angst das Normalste der Welt ist, ist der nächste Schritt, sie zu akzeptieren, wie sie ist. Du kriegst Schweißausbrüche allein bei dem Gedanken, beim Arzt anzurufen? Na und? Die Reaktion ist völlig normal, da du im Laufe deines Lebens gelernt hast, so zu reagieren. Vielleicht hast du mal eine schlechte Erfahrung gemacht und die hat dein Gehirn sich gemerkt.

Daher musst du jetzt quasi mit Angst reagieren. Was bringt es dir also, dich dafür zu verurteilen? Was bringt es dir, Vorwürfe zu machen dafür, dass du dich schon wieder vor einem Telefonat gedrückt hast? Diese Vorwürfe machen die ganze Sache doch nur noch schlimmer.

Tu Dinge trotz deiner Angst

Wenn du deine Ängste akzeptiert hast, wie sie sind, wäre es ja auch nicht schlimm, wenn sie bestehen bleiben. Du weißt, dass sie völlig normal sind und du hast dich mit ihnen abgefunden. Es ist nun an der Zeit, Dinge zu tun, obwohl du Angst hast.

Durch die Akzeptanz deiner Ängste ist deren Wichtigkeit in den Hintergrund geraten. Es wäre okay, wenn sie bleiben. Daher hast du nichts mehr zu verlieren. Wenn nun beispielsweise ein Telefonat beim Arzt ansteht, wird deine Angst natürlich wieder aufkommen. Nimm sie einfach wahr. Du kannst das Ganze auch belächeln und sagen: „Ach, du schon wieder“.

Die Angst ist kein Grund, dich davon abhalten zu lassen, Dinge zu tun. Kein Grund dafür, deinen Träumen nicht nachzugehen oder dir erst gar nicht zu erlauben, zu träumen.

Wenn die Angst zu stark ist

Es gibt extreme Formen von Angst, die einen im Alltag stark einschränken können. Vielleicht hast du diese Angst über dein ganzes Leben lang erlernt oder hattest schlimme Kindheitserfahrungen. Wenn das der Fall ist, ist der beste Weg, mit einem Arzt bzw. Psychotherapeuten darüber zu sprechen.

Es ist möglich, deine Ängste schrittweise anzugehen. Hast du beispielsweise eine panische Angst vor Spinnen, kannst du eine Angsthierarchie erstellen. Eine Angsthierarchie ist eine Rangfolge deiner Ängste. Du notierst alle Ängste, die zu deiner Spinnenphobie gehören (z. B. dir eine Spinne vorstellen, eine echte Spinne beobachten, eine Spinne berühren, eine Spinne auf dein Arm setzen,…). Dann ordnest du jeder dieser Ängste eine Zahl von 1-10 zu (1 = sehr leichte Angst, 10 = sehr starke Angst).

Ziel ist es, dich Stück für Stück deinen Ängsten zu stellen – angefangen bei der geringsten Angst. Du stellst dich so lange einer geringeren Angst, bis diese abgeklungen ist. Danach erst stellst du dich einer größeren Angst. So lange, bis du bei deiner „Zielangst“ angekommen bist.

Dieses Vorgehen bedeutet natürlich viel Selbstreflexion, Disziplin und die Bereitschaft, Dinge immer und immer wieder trotz deiner Angst zu tun. Ich bin der festen Überzeugung, dass es so möglich ist, alle Ängste, die du möchtest, zu überwinden bzw. besser mit ihnen umzugehen. Es hilft jedoch in jedem Fall, mit einer Person (sei es ein Psychotherapeut, deine Mutter oder eine Freundin) über deine Fortschritte zu sprechen bzw. deine Fortschritte zu notieren.

Ein Entspannungsverfahren erlernen

Eine große Hilfe bei der Angstüberwindung ist das Erlernen einer Entspannungsmethode. Das kann beispielsweise das Autogene Training, die Progressive Muskelentspannung oder ganz einfach eine Atemübung sein.

Jedes Mal, wenn du einer deiner Ängste begegnest, kannst du diese Entspannungsmethode anwenden, bevor du dich dann dieser Angst stellst. Atme beispielsweise lange durch die Nase ein, halte deinen Atem für einige Sekunden an und atme dann besonders lange (durch den Mund) aus, halte wieder deinen Atem an, atme dann wieder lange ein usw. Entspannungsverfahren können also Werkzeuge sein, die dich bei der Angstüberwindung unterstützen.

Fazit

Hast du eher geringere Ängste, die dich nicht groß in deinem Alltag einschränken, ist der beste Weg, diese einfach zu akzeptieren. Zu akzeptieren, wie sie sind und zu akzeptieren, dass Angst das Normalste der Welt ist. Du tust dann Dinge im Leben, obwohl du Angst hast. Das kostet natürlich Überwindung, wird sich aber am Ende auszahlen. Es wird zu deiner Routine, mutig zu sein und das zu tun, was du willst, obwohl du Angst hast. Gefühlt ganz von allein werden sich deine Ängste nach und nach verringern.

Sind deine Ängste stärker ausgeprägt, kann das Erstellen einer Angsthierarchie hilfreich sein. In Verbindung mit einer Entspannungstechnik stellst du dich hierbei Stück für Stück deinen Ängsten. So werden diese immer geringer, bis sie am Ende vielleicht sogar ganz verschwinden. Scheu dich zudem nicht davor, Hilfe von außen anzunehmen. Es ist nicht schlimm, eine Psychotherapie zu machen. Du möchtest dich persönlich weiterentwickeln und deine Ängste mit professioneller Hilfe angehen – und das verdient Respekt. Zudem wirst du dankbar sein, wenn die Psychotherapie vorbei ist und du gelernt hast, mit deinen Ängsten umzugehen.

In jedem Fall ist Akzeptanz der erste Schritt zur Besserung. Wenn du deine Ängste akzeptierst, verlieren sie an Bedeutung und sind nicht der Hauptfokus deines Lebens. Halte dir vor Augen, was dich alles auszeichnet – und das sind nicht deine Ängste.

Über die Autorin

Entspannungsblog

Ich bin Sarah, studiere Psychologie und betreibe die Website entspannungs-blog.de. Auf meinem Blog dreht sich alles um die Themen Angstüberwindung, Entspannung und Persönlichkeitsentwicklung. Auf Instagram poste ich ebenfalls Beiträge zu diesen Themen – du findest mich dort unter @entspannungsblog. Ich freue mich, wenn du vorbeischaust. 😊

Beitragsfoto von Artem Bali via Pexels


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